Nicht-Orte: Eine theatrale Landkarte Neuköllns



Projektstart: Februar 2016; gefördert durch: JEP – Jugend engagiert // Paritätisches Bildungswerk Bundesverband e.V. im Rahmen von Kultur macht stark! Bündnisse für Bildung; Ausführender Verein: Departure e.V. - Theater im Sturm und Drang


Um was geht's?

Ein Begriff geistert durch die moderne Raumwahrnehmung wie kein anderer: der Nicht-Ort. Dieser Begriff bedarf in einer Welt, die durch schnelllebige Stadt- und Kulturentwicklung kaum „Raum“ zum Verweilen hat, einer genauen künstlerisch-theatralen Untersuchung: „Nicht-Orte. Diese Räume stiften keine individuelle Identität. Haben keine gemeinsame Vergangenheit und schaffen keine sozialen Beziehungen. Es sind oft Funktionsorte.“ (Marc Augé)

 

Die theatrale Untersuchung dieser Orte, stellt die Frage in den Mittelpunkt, ob es tatsächlich noch eine solche „kommunikative Verwahrlosung“ an solchen Orten gibt oder ob Jugendliche sich diese Orte auf ihre eigene Art und Weise zu nutzen machen. Findet eine antithetische Aneigung der Orte statt? Werden aus Nicht-Orten gleichsam Orte des Sinns bzw. der Kommunikation?

 

Jugendliche ziehen gemeinsam mit Künstler*innen los in den urbanen Stadtraum ihrer näheren Umgebung, auf der Suche nach Nicht-Orten – Räume und Momente der Scheinbar-Leere (= Einsamkeit), der Scheinbar-Trostlosigkeit (= Leere), des Scheinbar-Kulturlosen (= Verwahrlosung...)?

 

Das Projekt "Nicht-Orte: Eine theatrale Landkarte Neuköllns" führt interessierte Menschen nach der Erarbeitungsphase, d.h. der kreativen Arbeit mit Künstlern und Jugendlichen, durch den Kiez, lässt sie in Form einer theatralen Stadttour durch neu-alte Welten schreiten. Die Zuschauer erleben eine Reise der besonderen Art, die viele Nicht-Orte zu einem Netz aus Lebensinseln spinnt und so zu einem einzig großen Kunstprojekt im öffentlichen Raum wird.

 

Darüber hinaus ist das Projekt eine große Vernetzungsarbeit, um Kulturschaffende, pädagogische Einrichtungen, öffentliche Hand und die Erwachsenen von morgen zusammenzuführen.  

 

Bündnispartner: Hermann-von-Helmholtz-Schule Berlin-Gropiusstadt // Otto-Hahn-Schule Berlin-Britz // Nachbarschaftszentrum Wutzkyallee


Einzelprojekte


Theater / Medien mit Dominik Eichhorn
(Ausführliche Beschreibung aus dem Projektantrag)

Die Diskussion rund um „Nicht-Ort“ (Marc Augé), um „Orte außerhalb aller Orte“ (Michel Foucault), will nicht abreißen. Viele moderne Raum-Denker lehnen allerdings Konzepte, die Plätze, Orte, Stadtteile aus dem Gesamtgefüge an Sozialraum ausschließen, kategorisch ab. Doch die Idee hinter den Gedanken von Augé oder Foucault, hat in der Alltagswahrnehmung solcher Orte Bestand. Gerade Orte, die ein Gefühl des Scheinbar-Heimischen evozieren, sind in einem Modus immer wieder Teil unserer Gedanke: im Modus der Angst, des Horrors, des Schreckens.

 

Sigmund Freud, der in seinem Essay „Das Unheimliche“ Schauderliches aus der Wortbedeutung des „Heimischen“ ableitet, wusste: das was uns vertraut scheint, lässt in uns viel schneller Gefühle des Unheimlichen, des Unbehagen entstehen. Gerade Nicht-Orte, die in der Alltagspraxis von Jugendlichen zu solchen Orten des Scheinbar-Heimischen werden, können diese Schauder-Momente heraufbeschwören.

 

Der Cliquen-Treff im Einkaufszentrum, das Vortrinken an Bahnhofssteigen, die Aneignung von verlassenen Lagerhallen, die lagerfeuerartigen Gespräche an Bushaltestellen ... All diese sozialen Interaktionen an als „Funktionsräumen“ verschrienen Orten, lassen durch diverse Gruppendynamiken und Neu-Aneignungen der Räume, anderes Raumgefühl entstehen als bei bloßen Passanten. Die Nicht-Orte werden ein Stück Heimat im Kopf, ein Teil des Wohlbefindens. Doch: Es bleiben Momente des Scheinbaren. Genau so schnell können Irritationen stattfinden. Dann wenn Unbekanntes, Unbehagliches oder Unheimliches diese Orte durchkreuzt, werden Nicht-Orte schnell zu Katalysatoren des Schrecklichen.

 

Das Teilprojekt möchte sich diesen Geschichten, die an „Orten des Scheinbar-Heimischen“ entstehen können, stellen. Als Ort hierfür soll eine Bushaltestelle gewählt warten. Dieser Funktionsort ist mit dem „Warten“ stark verbunden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen ihre Ideen, die sie mit der Aktion des Wartens verbinden reflektieren. Inwieweit können beispielsweise Bushaltestellen, die vor allem nachts eher unangenehme Gefühle evozieren, neu gedacht werden? Was würde geschehen, wenn diese Plätze zu Orten von visualisierten Geschichten werden? Unheimliche Erzählungen treffen auf farbenfrohe Wunschvorstellungen.

 

Mit Hilfe von Videoaufnahmen, Projektionen, Ton- und Klanginstallationen soll am Ende des Projekts eine Bushaltestelle für einen Abend zu einem solchen Ort werden. Das Projekt fragt nach Alltagshorror, Irritation und .bernatürlichen im oft so „scheinbar-einfachen“ Alltag von Jugendlichen und verbindet dies mit der Alltäglichkeit von Tagträumen, die beim „Warten“ an Bushaltestellen entstehen. Der Theaterpädagoge und Regisseur Dominik Eichhorn (kollekTivRAUM) möchte mit den Teilnehmenden durch die Zuhilfenahme moderner Medien eine audiovisuelle Intervention entstehen lassen.

 

Weitere Workshops:

>> Theater / Schauspiel mit Anne-R. Düsterhöft-W. 

>> Bühnenbild / Performance mit Lou Favorite 

>> Tanz mit Nathalie Rosenbaum 

>> Musik mit Marco Merz 

>> Produktion mit Miriam Glöckler


Ausführliche Informationen unter www.kollektiv-raum.de