"Industriegebietskinder" im Auftrag von Theater STRAHL Berlin

Theaterpädagogische Leitung: Dominik Eichhorn

Dortmund – Halle – Berlin: Drei Städte – drei Theater – ein Projekt!

 

Dortmund – Halle – Berlin: drei ehemalige Industriestandorte mit unterschiedlichen Bedingungen, Voraussetzungen und Geschichten. Industrie hat das Arbeitsleben in diesen Städten geprägt, ebenso die Biografien ihrer Einwohner - aber sie existiert nicht mehr. Was bedeutet es für die Menschen, die in, mit und von ihr gelebt haben, wenn Industrie stirbt? Die Städte und Stadtteile verändern sich: demografisch, strukturell und architektonisch.

Über ein Jahr lang arbeiteten Jugendliche mit Künstler_innen der Theater zu den den Themen Arbeit, Industrie, Beruf und Berufung. 


Die theaterpädagogische Arbeit im Projekt 

Was ist das eigentlich, wenn man von Industrie oder gar von Arbeit heute spricht? Kann ich mir als junger Mensch darunter überhaupt noch etwas vorstellen? Bin ich in der Generation der Perspektivlosigkeit gefangen? Und warum sollte mich überhaupt die Vergangenheit meines Kiezes interessieren? 


Theater STRAHL arbeitet mit 12 Jugendlichen aus Berlin, speziell aus dem Stadtteil Oberschöneweide im Projekt „Industriegebietskinder“ zu den Themen Arbeit, Industrie und Zukunft. Im Arbeitsprozess wird hinterfragt, inwiefern die heutigen Perspektiven von jungen Menschen sinnbildlich mit dem Verfall von brachliegenden Industriestätten gesehen werden können. Spiegeln alte, verfallene Industriehallen das Innere einer scheinbar perspektivlosen Generation wieder? Die Jugendlichen arbeiten mit ihren Vorstellungen einer Zukunft, die im Jetzt und Hier von vielen Außenstehenden als schwierig wahrgenommen wird. Doch ist das wirklich so? 


In einem Begegnungscamp vom 19. bis 22. Juni 2014 im FEZ Berlin tauschten sich die Berliner Teilnehmer_innen mit den Gruppen aus Halle und Dortmund aus. In verschiedenen Workshops wurden die „Industriegebietskinder“ unterschiedlich mit der Thematik konfrontiert. 


Die Mittel der Fotografie und des Videos, mit denen im Camp gearbeitet wurde, sollen ausgelotet werden, um die Jugendliche auf die Suche nach ihrem Blick auf Oberschöneweide zu schicken. Wo stehen sie, in mitten von heruntergekommen Hallen? Welchen neuen Nutzen schreiben sie ihrem Kiez zu? Welche theatralen Elemente erzeugen Spannungen, die ihrer Zukunft Rechnung tragen? 


Dominik Eichhorn leitet die theaterpädagogische Arbeit mit den Jugendlichen in Berlin. Die besondere Herausforderung besteht in seiner Arbeit darin, dass man vorurteilsfrei mit den Blickwinkeln der jungen Menschen aus diesem Kiez umgehen muss. Eine Stigmatisierung ihrer Situation und Lebensweise im Vorfeld, die dem klischeebehafteten Umgang mit Bezirken wie Schöneweide anhaftet, würde dazu führen, dass man sich stetig im Kreise dreht. Neue, kreative Impulse würden in ihrer Entstehung ersticken. So braucht es Mut, Konzepte umzudenken und auf den Entstehungsprozess nur unterstützend einzuwirken. Nur so erfährt man, welche Verbindung zwischen Industrievergangenheit und Wirklichkeit der jungen Menschen tatsächlich besteht. Und es zeichnet sich bereits ab, dass es nicht das sein wird, was man zuallererst vermuten würde. Sicherlich war es zunächst schwierig für die Ausrichtung des Projekts vor Ort Gehör zu finden. Doch erste thematische Annäherungen, sowie das Theatercamp, haben gezeigt, dass die Jugendlichen aus Berlin gerne dazu bereit sind, sich mit ihrer Zukunft und der Vergangenheit gleichermaßen auseinanderzusetzen. Die Form dafür haben sie jedoch zunächst für sich selbst bestimmt. 

 

Das Theaterstück 

Aus dem Projekt entstand das Stück "The Working Dead" von Jörg Menke-Peitzmeyer, das 2015 gleich für den IKARUS nominiert wurde. Weitere Informationen finden Sie hier